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Rezension
Um das damalige Schaffen des Künstlers in den zwanziger Jahren zu umreißen, seien hier die Ausführungen des Kunstkritikers Dr. Ulrich Baltzer in der „Allgemeinen Zeitung Königsberg", Jahrgang 1928, angeführt:

Alexander Kolde, der viel Umstrittene und Temperamentvolle, stellt im Kunstsalon von Teichert in der Großen Schloßteichstraße aus. Schon, ehe man den Saal voll überschauen kann, ist man geblendet von der Fülle der Farben, die sich wie Katarakte von den Wänden stürzen. Das ist der alte Kolde noch, der in Königsberg mit der Stärke seiner unwirklichen Farben ein ganz besonderer Führer des Expressionismus schien und der merkwürdig auch heute noch, obgleich er sich in einer Zeit gedämpfter Koloristik treu geblieben ist, mit seinem Pathos und seiner Ekstase etwas zu sagen hat. In der Selbständigkeit seiner Farben und ihrer Gruppierung, in der Eigenart ihrer Wahl und ihrer auf rüttelnden Tiefe fordert der Königsberger direkt zu einem Vergleich mit dem weit bekannten Nolde auf. Seine Kunst ist auch Bekenntniskunst, wie sie abseits vom Wege nicht oft vorkommt, und das ist schließlich bei Kolde noch das besonders Wohltuende, daß er in einer schwächlichen Zeit, die malerisch kultiviert oft nur von gleichgültigen Motiven lebt, Freude an der tieferen Idee eines Entwurfs hat: Er malt erschöpfte Flüchtlinge, er malt einen Mann, der im monddurchschienenen Wald durch die Töne einer Nachtigall mystisch erregt ist, er malt die geheimnisvolle Erscheinung einer Nachtblume oder das sonderbare Bild eines Menelaos, hinter das die Schärfe des Verstandes nie kommen wird. Dabei ist trotz der geistigen Kraft, die elementar in Koldes Bildern zum Durchbruch drängt, der Rahmen des Malerischen nirgends gesprengt; vielmehr das konstruktive Gefüge der einzelnen Bilder wie ihre farbige Behandlung macht den Eindruck einer männlichen Selbstsicherheit und Festigung, deren Fehlen bisher der Wirkung dieses talentierten Künstlers selbst im Wege stand. Die Koldesche Ausstellung ist nicht nur im Teichertschen Salon (man sah dort in letzter Zeit nichts Bedeutendes) sondern im gesamten Königsberger Kunstleben eine auffällige Erscheinung. Neben die um einer Idee willen gemalten Bilder tritt die reine Freude am Menschlichen und Tierhaften. Wenn man an der rostbraunen „Bernsteinküste" in tiefblauem Wasser Frauenakte sieht, dann erfühlt man die Frauen; wenn rote, braune und gelbe Pferde durch die Landschaft rasen, aufbäumen, in den Kurven des Galopps sich biegen, erlebt, wer sie sieht, mehr vom Wesen dieses edlen Tieres als bei der nüchternen Impression eines sogenannten Pferdespezialmalers. Deutlich wird alsbald, daß der Künstler für Frauen sowohl wie für Pferde Nerv hat. Er modelliert mit breiten Pinselstrichen die Leiber hin, er formt sie kraft seiner seelischen Kräfte neu. Immer und immer wieder macht man die Erfahrung, daß Kolde nichts malt um der malerischen Virtuosität willen, sondern weil ein göttlicher Funken ihm nur diesen Weg zur Befreiung von inneren Gesichten vorschreibt. So ist er schließlich auch ein guter Porträtist. Ein meisterhaftes Werk ist das Familienbild „Die Eltern": Den vom Leben gehämmerten harten ausgearbeiteten Köpfen der Eltern entspricht der unschuldige Kopf eines mädchenhaften Kindes, das fast wie eine Vision blau-bläßlich dem Hintergrund entsteigt. Ehrlich würde dieser Hinweis auf die Ausstellung bei Teichert nicht sein, wenn er nicht zugäbe, daß das Wesentlichste dieser Kunst Koldes nicht in Worten auch nur im entferntesten deutlich gemacht werden kann: Jene überaus herrlichen, ja oft seeligen, gesteigerten Farben, ein ganz tiefes Blau, das an das italienische Meer erinnert, ein massiges, oft ans Knallige grenzendes Rot, ein weiches Gelb, dann Lila und Rostrot und der samtweiche Ton gebräunten weiblichen Inkarnats. In einer unerhö0rten Skala zauberhafter, manchmal visionärer Farben, die in ihren Abstufungen sich nicht fassen lassen, schwelgt ein berufener, schöpferischer Maler. Die Kontur seines eigenen Wesens mag in der Vergangenheit oft verschwommen erschienen sein, mit dieser Ausstellung zeigt jedoch Kolde die endliche Festigung, und er rückt deshalb mit einem Schwunge in die erste Reihe unserer ostpreußischen Begabungen."

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